Inhaltsverzeichnis
- Mit einer konkreten Beobachtung beginnen
- Kommunikationswege fachlich festlegen
- Ein Vorgang verbindet die benötigten Bestandteile
- Beispiel: eine Maßnahme wird angekündigt
- Formulierungen unterstützen, ohne Aussagegehalt zu verändern
- Maßnahmen nachhalten, ohne Verantwortung zu übernehmen
- Den Ablauf vom Hinweis bis zur Freigabe erproben
Ein Hinweis auf einen Prozessmangel entsteht während der Prüfung, eine Stellungnahme folgt später und eine zugesagte Maßnahme wird erst im nächsten Jahr wieder aufgegriffen. Wenn diese Informationen lose verteilt sind, kostet die Vorbereitung des Management Letters unnötige Zeit. Ein geordneter Workflow kann Beobachtung, Nachweise und Kommunikation zusammenhalten. Er bewertet weder die Schwere einer Feststellung noch entscheidet er, was wann an wen berichtet werden muss.
Mit einer konkreten Beobachtung beginnen
Eine brauchbare Feststellung beginnt mit einem nachvollziehbaren Sachverhalt. Was wurde beobachtet, in welchem Zusammenhang und auf welcher Grundlage? Allgemeine Formulierungen wie „Kontrollen unzureichend“ sind dafür zu unscharf. Zunächst sollte die Dokumentation den tatsächlichen Vorgang beschreiben und die Belegstellen verbinden.
Die Software kann eine Erfassungsstruktur bereitstellen und fehlende Angaben markieren. Sie sollte jedoch keine Ursache oder Auswirkung ergänzen, die das Team nicht untersucht hat. Eine mögliche Einordnung bleibt als Vorschlag erkennbar. Für sensible Themen braucht es einen geregelten Weg zur verantwortlichen Prüfungsleitung.
Kommunikationswege fachlich festlegen
Die IAASB-Veröffentlichung zu ISA 265 behandelt die Kommunikation von Mängeln des internen Kontrollsystems an die zuständigen Adressaten. Für den konkreten Auftrag gelten die einschlägigen Prüfungsgrundsätze. Ein Management Letter ist zudem nicht mit dem gesetzlichen Prüfungsbericht gleichzusetzen. § 321 HGB enthält eigene Berichtspflichten.
Der Ablauf sollte deshalb festhalten, welche Kommunikationsform fachlich vorgesehen ist und wer sie freigibt. Ein Punkt kann weitere Prüfungshandlungen, eine zeitnahe Kommunikation oder eine andere Behandlung erfordern. Er darf nicht automatisch bis zum Jahresendbericht zurückgestellt werden, nur weil er in einer Liste mit dem Namen „Management Letter“ steht.
Ein Vorgang verbindet die benötigten Bestandteile
- Beobachtung: Sachverhalt, Zeitraum und betroffener Prozess.
- Belegstellen: Arbeitspapiere und weitere zugrunde liegende Unterlagen.
- Fachliche Einordnung: Die vom Team dokumentierte Bewertung und ihre Begründung.
- Stellungnahme: Antwort des Unternehmens mit Datum und Quelle.
- Maßnahme: Geplante Handlung, Verantwortlicher und angekündigter Termin.
- Kommunikation: Freigegebene Fassung, Empfänger und Versandstand.
Diese Struktur verhindert, dass eine Stellungnahme die ursprüngliche Beobachtung überschreibt. Sie trennt auch die Antwort des Unternehmens von der Einschätzung des Prüfers. Eine KI kann vorhandene Texte verständlich zusammenfassen, sollte die Rollen dabei aber ausdrücklich beibehalten.
Beispiel: eine Maßnahme wird angekündigt
In einem beispielhaften Auftrag stellt das Team fest, dass eine dokumentierte Freigabe bei ausgewählten Vorgängen nicht vorlag. Das Unternehmen kündigt daraufhin eine neue Freigaberoutine an. Der Workflow verbindet diese Stellungnahme mit der ursprünglichen Beobachtung und erfasst die geplante Umsetzung.
Die Ankündigung setzt den Punkt nicht automatisch auf „behoben“. Das Team entscheidet, ob und welche weiteren Nachweise benötigt werden und wie die Aussage im jeweiligen Zusammenhang zu würdigen ist. Für eine spätere Bearbeitung bleibt ersichtlich, ob eine Maßnahme lediglich geplant, als umgesetzt gemeldet oder tatsächlich untersucht wurde.
Formulierungen unterstützen, ohne Aussagegehalt zu verändern
Eine KI kann aus freigegebenen Angaben einen Textentwurf vorbereiten. Dabei sollten Sachverhalt, Bewertung und Empfehlung getrennt vorliegen. Der Entwurf darf keine Ursache behaupten, die nicht belegt ist, und keine zusätzliche Sicherheit ausdrücken. Vor der Kommunikation prüft die verantwortliche Person Inhalt, Ton und Adressaten.
Hilfreich ist eine Gegenüberstellung von Entwurf und zugrunde liegenden Angaben. Damit fällt eher auf, wenn eine Formulierung aus „in den untersuchten Fällen“ eine allgemeine Aussage über den gesamten Prozess gemacht hat. Auch Einschränkungen und offene Fragen müssen im Text erhalten bleiben.
Maßnahmen nachhalten, ohne Verantwortung zu übernehmen
Eine Aufgabenübersicht kann an zugesagte Termine erinnern und neue Stellungnahmen zuordnen. Die Umsetzung der betrieblichen Maßnahmen bleibt beim Unternehmen. Welche Prüfung oder Nachverfolgung zum Auftrag gehört, muss fachlich abgegrenzt sein. Das System darf eine organisatorische Erinnerung nicht als zusätzliche Prüfungsleistung ausgeben.
Die Anforderungen an unabhängige, verschwiegene und eigenverantwortliche Berufsausübung nach § 43 WPO bleiben bestehen. Zugriffsrechte und Empfängerlisten müssen zur Sensibilität der jeweiligen Feststellung passen. Ein allgemeiner Verteiler für sämtliche offenen Punkte ist dafür nicht automatisch geeignet.
Wenn ähnliche Beobachtungen in mehreren Bereichen auftreten, kann eine Bündelung die Kommunikation erleichtern. Der gemeinsame Text muss dennoch auf alle zugrunde liegenden Vorgänge zurückführen. Unterschiedliche Bewertungen oder Stellungnahmen dürfen nicht beim Zusammenfassen verschwinden. Das Team entscheidet, ob es sich tatsächlich um einen gemeinsamen Sachverhalt handelt. Eine automatisch erkannte sprachliche Ähnlichkeit ist dafür ein Hinweis, aber keine ausreichende fachliche Begründung.
Den Ablauf vom Hinweis bis zur Freigabe erproben
Wählen Sie einige geeignete Testvorgänge mit unterschiedlichen Verläufen: eine ergänzte Stellungnahme, eine geänderte Bewertung und eine nur angekündigte Maßnahme. Prüfen Sie, ob jede Rolle verständlich bleibt und ob die richtige Fassung in einen Entwurf übernommen wird. Testen Sie auch, ob ein zurückgenommener oder geänderter Entwurf klar erkennbar ist.
Der messbare Nutzen liegt in weniger Sucharbeit und konsistenteren Übergaben. Die fachliche Qualität entsteht weiterhin durch die verantwortlichen Prüfer. Wie sich dieser Ablauf in Ihre bestehenden Werkzeuge einfügt, betrachten wir im Rahmen unserer Prozessautomatisierung für Wirtschaftsprüfer.
Quellen & weiterführende Informationen
- IAASB: ISA 265 – Kommunikation von Kontrollmängeln ↗
- § 321 HGB – Prüfungsbericht ↗
- § 43 WPO – Allgemeine Berufspflichten ↗
Stand: 12. Oktober 2026. Dieser Beitrag erläutert technische Möglichkeiten und Prozessgestaltung. Er ersetzt keine steuerliche oder rechtliche Beurteilung des Einzelfalls. Beispielabläufe sind illustrativ; konkrete Funktionen hängen von Daten, Berechtigungen und eingesetzter Software ab.

Leon Ostermann