Zum Inhalt springen
MANDANTEN-ONBOARDING

Neues Mandat gewonnen – und dann? Warum das Onboarding teurer ist als die Akquise

Die Zusage ist der schöne Teil. Danach beginnt der Prozess, den kaum eine Kanzlei sauber beschrieben hat – und der regelmäßig Wochen kostet.

29. Juli 20265 Min. LesezeitLeon Ostermann

Ein neues Mandat kostet Sie Akquise, Erstgespräch, Angebot. Doch der teuerste Teil kommt danach: Vollmachten einholen und in die Vollmachtsdatenbank bringen, Stammdaten anlegen, Kontenrahmen festlegen, Vorjahresunterlagen anfordern, den bisherigen Berater kontaktieren, Bankanbindung klären, Zuständigkeiten im Team verteilen. Nichts davon ist schwierig. Alles davon ist Kleinarbeit, die zwischen Tür und Angel passiert – und genau deshalb dauert sie Wochen.

Der Klassiker: Der Mandant bekommt eine Mail mit einer langen Liste benötigter Unterlagen. Er schickt die Hälfte. Zwei Wochen später fällt jemandem auf, dass immer noch etwas fehlt. Es wird nachgefasst, wieder kommt die Hälfte. In der Zwischenzeit ist niemand zuständig, weil das Mandat formal noch nicht „richtig“ angelegt ist. Der Mandant wiederum hört wochenlang nichts und fragt sich, ob er die richtige Wahl getroffen hat.

Warum Checklisten das Problem nicht lösen

Die meisten Kanzleien haben eine Onboarding-Checkliste. Sie liegt als Word-Datei auf dem Server und wird bei jedem neuen Mandat kopiert. Das Problem ist nicht die Liste, sondern das, was zwischen den Häkchen passiert: Wer schreibt den Mandanten an? Wer merkt, dass seit acht Tagen keine Antwort kam? Wer sieht auf einen Blick, welche der sechs laufenden Onboardings gerade feststecken? Eine Checkliste dokumentiert Arbeit. Sie erledigt sie nicht und sie erinnert auch niemanden.

So sieht ein automatisiertes Onboarding aus

Sobald ein Mandat zugesagt ist, startet eine feste Strecke. Der Mandant erhält ein individuell zusammengestelltes Anschreiben mit genau den Unterlagen, die für seine Rechtsform und seine Leistungen gebraucht werden – nicht die Standardliste für alle. Eingehende Dokumente werden erkannt, zugeordnet und von der Liste gestrichen. Was nach fünf Tagen fehlt, wird automatisch erinnert, freundlich und mit konkreter Restliste.

Ihr Team sieht statt sechs halbfertiger Mailverläufe eine Ampelübersicht: Welches Mandat ist vollständig, welches wartet auf den Mandanten, welches auf Sie. Und weil das System weiß, was noch aussteht, entstehen die internen Aufgaben automatisch mit – Stammdaten anlegen, Vollmacht einreichen, Erstgespräch terminieren.

  • Individuelles Anforderungsschreiben statt Standardliste – der Mandant liest nur, was ihn betrifft
  • Automatische Erinnerung nach definierter Frist, mit aktueller Restliste statt pauschaler Nachfrage
  • Eingehende Unterlagen werden zugeordnet und abgehakt, ohne dass jemand eine Liste pflegt
  • Ampelübersicht für alle laufenden Onboardings statt Suche im Postfach
  • Interne To-dos entstehen automatisch, sobald die Voraussetzungen dafür vorliegen

Was dabei bewusst beim Menschen bleibt

Das Erstgespräch, die Einschätzung der Mandatsfähigkeit, die Honorarvereinbarung, die Frage, ob dieses Mandat überhaupt zu Ihrer Kanzlei passt: Das bleibt Ihre Arbeit und soll es bleiben. Automatisiert wird die Koordination drumherum – und jede Nachricht, die an den Mandanten geht, passiert vorher Ihren Schreibtisch. Ohne Freigabe verlässt nichts die Kanzlei.

Was das bringt

Kanzleien, die diesen Prozess sauber aufsetzen, verkürzen die Zeit von der Zusage bis zur ersten produktiven Buchung typischerweise erheblich – und zwar ohne Mehrarbeit, weil das Nachfassen wegfällt. Der zweite Effekt ist schwerer zu messen und langfristig wertvoller: Der neue Mandant erlebt in der ersten Woche eine Kanzlei, die strukturiert arbeitet. Das ist der beste Zeitpunkt für diesen Eindruck, und der einzige, den Sie nicht wiederholen können.

Und weil die eingesetzte Technik dieselbe ist, die später Ihre Belegnachforderung und Ihre Fristenkommunikation trägt, zahlt der erste Prozess direkt auf die nächsten ein. Onboarding ist deshalb ein guter Einstieg: klar abgegrenzt, schnell sichtbar, ohne Eingriff ins Tagesgeschäft.

Wie lange dauert Ihr Onboarding wirklich?

In 15 Minuten gehen wir Ihren Ablauf einmal durch und schätzen ehrlich ein, was sich davon automatisieren lässt. Kostenlos und unverbindlich.

Potenzialgespräch vereinbaren

Gründer von Ostermann Systeme, Düsseldorf

Alle Fachbeiträge